Buddhistische Gemeinschaft Schweiz

 



100 Jahre Theravada Buddhismus in der Schweiz

Der erste Besuch des Mönchs Nyanatiloka in den Jahren 1910/11 im Tessin markierte einen wichtigen Meilenstein der neuzeitlichen Entwicklung des Theravada Buddhismus in der Schweiz. Der nachfolgende Text würdigt den 100. Jahrestag dieses Ereignisses und fasst die Entwicklung des Theravada Buddhismus in der Schweiz bis heute zusammen.  

Zusammenfassung

In der Neuzeit war der Mönch Nyanatiloka ab den Jahren 1910/11 der erste buddhistische Lehrer in der Schweiz. Er war Begründer der sogenannten frühen Buddhisten im deutschsprachigen Europa. Erste buddhistische Institutionen entstanden in der Schweiz ab den frühen 1940er Jahren; sie hatten allerdings keinen dauerhaften Bestand.

Einer breiteren Schweizer Öffentlichkeit wurde der Theravada Buddhismus erst ab den 1970er Jahren zugänglich. In dieser Zeit entstanden erste nachhaltig verankerte buddhistische Institutionen, wie Klöster, Meditationszentren und Meditationsgruppen, die auch heute noch fortbestehen. Die "Schweizerische Buddhistische Union" wurde im Jahr 1976 gegründet, die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“ der Theravada Buddhisten, schliesslich im Jahr 2002.

Parallel zur nachhaltigen Verankerung buddhistischer Institutionen in der Schweiz erreichte der Buddhismus Europa auch durch die Migration von Menschen aus Asien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die zugewanderten Theravada Buddhisten gründeten kulturell-religiöse Organisationen ab den 1980er Jahren.

Gegenwärtig leben gemäss Statistiken über 20'000 Theravada Buddhisten in der Schweiz. Aus der Schweiz stammen davon gemäss Schätzungen lediglich rund 500-1'000 Personen, die vorwiegend in urbanen Gebieten wohnhaft sind.

Die grosse Mehrheit der Theravada Buddhisten sind Asiaten, welche vorwiegend aus den theravadabuddhistischen Ländern Burma, Thailand, Laos, Kambodscha und Sri Lanka in die Schweiz eingewandert sind. Für eine nachhaltige Stärkung und Verankerung des Theravada Buddhismus in der Schweiz besteht auf der Ebene der "Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz" v.a. Handlungsbedarf bezüglich des spärlichen Kontakts und Austauschs zwischen Schweizer Buddhisten und zugewanderten Buddhisten sowie bezüglich der geringen Wahrnehmung des Theravada Buddhismus in den Medien und generell in der Öffentlichkeit. Auf Seite der "Schweizerischen Buddhistischen Union" wäre in erster Linie das Herausarbeiten und Pflegen einer weiterführenden gesamtbuddhistischen Perspektive zu begrüssen. Eine Möglichkeit dazu wäre die Erstellung und Herausgabe einer buddhistischen Schweizer Zeitschrift.

 

1. Der frühe Buddhismus in der Schweiz und die Schaffung erster Institutionen

Der Buddhismus und insbesondere der Theravada Buddhismus (wörtlich: „Lehre der Ordensälteren“) fand in der Neuzeit seinen Weg auf zweierlei Wegen in die Schweiz: Einerseits wurde er von Menschen aus dem Westen, die mit dem fernöstlichen Gedankengut in Kontakt kamen, nach Europa gebracht, anderseits fand er durch die Migration asiatischer Menschen Eingang nach Europa.

Die Eindrücke und Erfahrungen, die Europäer in Asien sammelten, schlugen sich z.T. in deren Schaffen sehr direkt nieder. So etwa vor rund 200 Jahren im Werk des Philosophen Arthur Schopenhauer (Hauptwerk: „Die Welt als Wille und Vorstellung“, 1819, 2. Auflage 1844). Schopenhauer nannte sich selbst den ersten "Buddhaisten" Europas. Ein prominenter Leser von Schopenhauers Werk war Richard Wagner. Im Jahr 1854 entdeckte Wagner bei der Lektüre vermutlich den Buddhismus für sich. Wagner lebte bis zum Jahr 1858 in der im 19. Jahrhundert für den Industriellen Otto Wesendonck erbauten „Villa Wesendonck“ (heutiges Museum Rietberg) in Zürich. Wagners Einfluss auf die Entwicklung des Buddhismus in der Schweiz war allerdings gering.

Eine zentrale Rolle in dieser Phase des „frühen Buddhismus“ spielte der 1904 in Burma ordinierte Mönch Nyanatiloka (1878-1957). Nyanatiloka, ein gebürtiger Deutscher, weilte in den Jahren 1910/11 in der Schweiz und bildete im Tessin erste Schüler aus. Er nahm auch erste buddhistische Ordinationen innerhalb Europas vor. Sein Wirken wurde später von seinem Schüler Nyanaponika (1901-94) weitergeführt.

Erste organisatorische Zusammenschlüsse von Schweizer Buddhisten gab es ab 1942. Max Ladner und Raoul von Muralt gründeten 1942 die „Buddhistische Gemeinde Zürich“ und gaben Mitteilungsblätter und später die buddhistische Zeitschrift „Die Einsicht“ heraus. Die Gründung der Gemeinde sowie die Herausgabe der Zeitschrift zu diesem frühen Zeitpunkt sind bemerkenswert. Allerdings gelang es Ladner nicht, den Fortbestand dieser ersten frühen Institutionalisierung nachhaltig zu sichern. Sowohl die „Buddhistische Gemeinde Zürich“ als auch die Zeitschrift hatten nach Ladners Tod (1963) nur noch über wenige Jahre Bestand und verschwanden anschliessend vollständig von der Bildfläche.

2. Die zweite Welle buddhistischer Institutionalisierung ab den 1970er Jahren

Ab den 1970er Jahren entstanden wichtige theravadabuddhistische Institutionen mit einer überregionalen und auch internationalen Ausstrahlung: Darunter das Tagungshaus von Kurt Onken in Dicken bei St. Gallen und das Kloster Dhammapala im Berner Oberland. In derselben Zeit blühten vielfältige theravadabuddhistische Aktivitäten in der ganzen Schweiz auf: Meditationskurse und Seminare, die Gründung der Dhamma-Gruppen und zahlreiche Veranstaltungen von Dhamma-Vorträgen asiatischer Lehrer, welche durch Schweizer Buddhisten eingeladen wurden. Schliesslich wurden mit der "Schweizerischen Buddhistischen Union" (SBU), und der "Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz" wichtige gesamtschweizerische Organisationen gegründet, die allen Buddhisten bzw. Theravada Buddhisten offen stehen.

2.1 Die ersten überregionalen buddhistischen Institutionen in der Schweiz

"Kurt Onken [1914-2007] kaufte 1974 in Dicken, in der Nähe von St. Gallen, ein Tagungshaus, um die in der Region verstreuten Buddhisten an einem festen Ort zusammenzubringen und buddhistische Seminare ausrichten zu können. Die gemeinnützige Stiftung ‘Haus der Besinnung’, ebenfalls von Onken ins Leben gerufen [wird von Marc Stucky präsidiert], trägt das gleichnamige Haus. Onken hatte buddhistische Inhalte über seinen Vater, der den Buddhismus als ‘Religion der Vernunft’ schätzte, ihn jedoch weniger als Anleitung zur eigenen Lebensführung denn mehr als Philosophie angesehen hatte, wie auch über die Bekanntschaft mit Max Ladner und den Beiträgen in der Einsicht kennengelernt. Die Teilnahme an den von Paul Debes [1906-2004] geleiteten Seminaren in Hustedt (Lüneburger Heide) zu Beginn der 1970er Jahre bestärkten Onken, die Anweisungen des Pali-Kanons auch konkret in die eigene Lebenspraxis umzusetzen. Das ‘Haus der Besinnung’ selber geht mittelbar nicht zuletzt auf die Hochschätzung Nyanaponikas zurück, den Onken 1970 kennen lernte. Ähnlich wie das in Roseburg (bei Hamburg) gelegene ‘Haus der Stille’, das Hamburger Buddhisten 1962 als Seminar- und Meditationshaus gründeten und auf eine Idee Nyanaponikas 1952 zurückgeht, sollte das Dickener Haus, wie der Name schon sagt, ein Rückzugsort zur Besinnung und kontemplativen Einkehr sein. Nyanaponika umschrieb es in einem Brief an Onken 1974 als eine ‘extraterritoriale Insel des Dhamma’.

Im Haus trifft sich einmal monatlich eine durch Onken 1972 gegründete Gemeinschaft zur Lehrredenbesprechung und ‘Sammlung’. Der Kreis um Onken bildet in gewisser Weise eine Fortführung bzw. Wiederaufnahme des einstigen Kreises um Ladner, zumal sich einige Buddhisten aus dem Ladner-Kreis den Treffen im ‘Haus der Besinnung’ anschlossen. Das Haus steht Einzelnen wie kleinen Gruppen zur Verfügung; so führen u.a. Ayya Khema [1923-1997], Rewata Dhamma, ...Fritz Schäfer (ein Schüler von P. Debes) und andere Theravada-Lehrer Wochenend- und Ferienseminare durch. Die bleibende Verbundenheit mit Nyanaponika drückt sich nicht zuletzt in der Bronzeskulptur des ‘Mentors des Hauses’ aus, die im schlichten, jedoch stilvollen Andachtsraum steht."[1]

In den 1970er Jahren wurden auch neue Institutionen wie die Sayagyi U Ba Khin Gesellschaft in Bern und durch den singhalesischen Mönch Tawalama Dhammika der buddhistische Vihara Genf ins Leben gerufen. Zu den Lehrern U Ba Khins (1873-1971) zählte Saya Thetgyi (1873-1945), zu seinen bekannten Schülern S. N. Goenka (*1924). Den ersten 10-Tageskurs in der Schweiz führte S.N. Goenka 1980 in Hoch Ybirg durch. Das letzte Mal war er in seiner Eigenschaft als spiritueller Lehrer im Februar 2000 in der Schweiz, um am Weltwirtschaftsforum in Davos teilzunehmen. Die Sayagyi U Ba Khin Gesellschaft in Bern bietet nach wie vor einen jährlichen 10-Tageskurs an, der von Eugen Jung geleitet wird.

Den institutionell deutlichsten Ausdruck des Interesses an Lehrinhalten und Meditationsformen des Theravada Buddhismus bildete schliesslich die Gründung des buddhistischen Klosters Dhammapala. Schweizer Buddhisten hatten 1988 Mönche des britischen Theravada-Klosters Amaravati eingeladen, um ein ähnliches Kloster wie in Südengland in der Nähe Berns aufzubauen. Anfangs wurde das Kloster Dhammapla in einer Wohnung in Konolfingen bei Bern eingerichtet. Ab dem Jahr 1991 siedelte das Kloster in ein idyllisches Chalet am Rande des Kurortes Kandersteg im Berner Oberland um, das vormals ein Hotel war.

Das Kloster Dhammapala steht wie die Klöster in Grossbritannien (das grösste davon ist Amaravati, 50 km nördlich von London gelegen, das erste war Cittaviveka (in Chithurst), weitere sind Aruna Ratanagiri (in Harnham) im Norden Englands und Hartridge (in Devon)) in der Lehrtradition des thailändischen Reformmönches Ajahn Chah (1918-1992). Dieser nahm ab den 1960er Jahren englische und nordameri-kanische Schüler in den Theravada-Orden auf und erbaute 1975 mit Wat Pah Nanachat (internationales Waldkloster) in Thailand das erste Kloster, das speziell zur Ausbildung "westlicher Mönche" diente. Mit seinem Schüler Ajahn Sumedho besuchte er 1977 England und beauftragte diesen, dort ein Kloster zu gründen. Diese Aufforderung setzte Ajahn Sumedo mit der Gründung des Klosters Cittaviveka in Chithurst bereits 1979 in die Tat um. Heute gibt es neben dem Kloster Dhammapala und den Klöstern in Grossbritannien weitere wichtige Zweigklöster Wat Pah Pongs im Westen, u.A. die Klöster Santacittarama in Italien, Abhayagiri in Kalifornien/USA und Bodhinyanarama in Neuseeland.

Abt des schweizerischen Klosters Dhammapala war lange Zeit Ajahn Tiradhammo, der ab 1973 in Nordthailand zu meditieren begann und 1976 von Ajahn Chah in eben diesem Wat Pah Nanachat zum Mönch geweiht wurde. Er wurde im Jahr 2005 an das ebenfalls in der Lehrtradition von Ajahn Chah stehende Kloster Bodhinyanarama bei Wellington in Neuseeland berufen. Seither leitet Ajahn Khemasiri das Kloster Dhammapala. Der Abt und die weiteren, meist zwei bis drei Mönche, sind für die spirituelle Führung der in der Schweiz lebenden Thailänder zuständig und unterweisen die an Meditation interessierten westlichen Buddhisten und Gäste. Die Mönche halten darüber hinaus Vorträge über Buddhismus im Kloster sowie in den Meditationsgruppen in Basel, Genf und Zürich.

2.2 Aufblühen von Meditationskursen und Meditationsgruppen

Bereits 1974 organisierten Schweizer Buddhisten erste Zehn-Tages-Vipassana-Kurse. Mirko Frýba, ein Schüler von Nyanaponika, holte 1979 den burmesischen Meditationslehrer Mahasi Sayadaw (1904-82) in die Schweiz. Mahasi Sayadaw lehrte in der Dhamma Gruppe Bern und im Sommer 1979 fand auf dem Mont Soleil im schweizerischen Jura das in Europa einzige Seminar mit ihm statt.

1978 wurde der Verein Dhamma Gruppe Schweiz in Bern gegründet. Die meisten Gründungsmitglieder hatten langjährige Aufenthalte in buddhistischen Zentren in Asien absolviert. Die erste Dhamma Gruppe bestand in Bern und war am Aufblühen von den seinerzeit gänzlich neuartigen Seminaren und Meditationskursen wesentlich beteiligt. Seit 1986 bestand in Basel eine weitere Dhamma Gruppe. Neben den der Dhamma Gruppe Schweiz angeschlossenen Gruppen, entstanden auch weitere Meditationsgruppen, wie etwa die im Jahr 1981 durch Kurt Gehrig und Martin Züllig gegründete Dhamma Gruppe Zürich. Gegenwärtig bestehen in der Schweiz insgesamt zwölf regionale Theravada-Meditationsgruppen in Baden, Basel, Bern, Biel, Genf (2), Lausanne, Luzern, Pontresina, Weinfelden, Winterthur und Zürich.[2]

Die Dhamma Gruppe Zürich lud in den 1980er Jahren die damals in Sri Lanka weilende Ayya Khema ins „Haus der Besinnung“ nach Dicken ein. Ayya Khema leitete in der Folge verschiedene Retreats in der Schweiz und in Deutschland. Auf Initiative einiger deutscher Buddhisten entstand im Jahr 1989 in Südbayern ein buddhistisches Meditations- und Studienzentrum, das Buddha-Haus im Allgäu. Dieses Zentrum wurde zu Ayya Khemas Lehr- und Lebensmittelpunkt und bald auch zum Sitz des von ihr gegründeten Jhana Verlags.

Im Sommer 1997 öffnete schliesslich das auf Initiative von Ayya Khema in einem ehemaligen Alphotel eingerichtete Waldkloster und Retreat-Zentrum Metta Vihara („Aufenthaltsort der Liebenden Güte“) seine Pforten. Es wurde zum Sitz des im Oktober 1997 von Ayya Khema kurz vor ihrem Tod gegründeten Ordens der Westlichen Waldklostertradition. Das Kloster ist in erster Linie ein Ort, an dem Ordinierte und solche, die es werden wollen, sich ganz der Meditation sowie dem Studium und der Praxis der Lehre Buddhas hingeben können. Abt des Klosters ist Ajahn Nyanabodhi. Zurzeit leben drei Mönche im Kloster. Zur Klostergemeinschaft gehört auch eine kleine Gruppe von Laienanhängern, die das Klosterleben erproben möchten.

Martin Züllig gründete 1989 die Casa Civetta in Avegno. Das Begegnungshaus ist konzipiert als Ort für Rückzug, Stille und Gemeinschaft für Ferien und Seminare. Über viele Jahre fanden in der Casa Civetta Sommer-Meditationskurse mit Godwin Samararatne (1932-2000), einem sehr beliebten und humorvollen Theravada Lehrer aus Sri Lanka, statt.

Im Jahr 2000 wurde unter Mitwirkung der langjährigen Meditationslehrer Catherine Felder, Ursula Flückiger und Fred von Allmen das Meditationszentrum Beatenberg gegründet. Das Zentrum wird von der gleichnamigen Stiftung getragen und versteht sich u.A. als Nachfolgeorganisation der Dhamma Gruppe Schweiz. In der Folge wurde der Verein Dhamma Gruppe Schweiz aufgelöst. Die Dhamma Gruppe Bern wurde in das Zentrum für Buddhismus in Bern integriert und die Dhamma Gruppe Basel besteht als Meditationsgruppe weiter ­­– seit 2008 in Form des Vereins Kalyana Mitta.

2.3 Die Gründung der "Schweizerischen Buddhistischen Union" und der "Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz"

Viele der erwähnten Gruppen und Zentren sind dem Dachverband, der "Schweizerischen Buddhistischen Union" (SBU), angeschlossen. Mirko Frýba, Urs Oberlin und Georges Bex gründeten die SBU im Jahr 1976 und waren mehrere Jahre alternierend ihre Präsidenten. Die SBU revidierte, nach einer ruhigeren Phase in den 1980er Jahren, auf Initiative von Rolf Hafner und Kurt Gehrig 1993 ihre Statuten, um wieder vermehrt und aktiv die Zusammenarbeit und Koordination der verschiedenen buddhistischen Gemeinschaften in der Schweiz zu fördern.

Die SBU verfolgt im wesentlichen folgende Ziele: die verschiedenen buddhistischen Gemeinschaften in der Schweiz zu unterstützen und ihre freundschaftliche Zusammenarbeit zu fördern, die Lehre Buddhas in der Schweiz bekannt zu machen und ihre Ausübung zu erleichtern, mit buddhistischen Organisationen im Ausland, insbesondere mit der "Europäischen Buddhistischen Union" zusammenzuarbeiten und die gemeinsamen buddhistischen Interessen gegenüber den schweizerischen Behörden zu vertreten.

Seit 1993 gelingt es der SBU jeweils ein gut besuchtes, gesamtbuddhistisches Vesakh-Fest (Geburt, Erleuchtung und Tod Buddhas) für alle buddhistischen Traditionen zu organisieren. Anders als etwa in Österreich, wo der Buddhismus die staatliche Anerkennung erlangt hat, geniesst innerhalb der SBU diese potentiell gemeinsame Perspektive keinen Rückhalt. Für verschiedene buddhistische Traditionen in der Schweiz steht eine staatliche Anerkennung, also eine Verbindung von Staat und Religionsgemeinschaften, nicht im Zentrum. Die SBU hat sich deshalb 1997 in einer Stellungnahme zu einem kantonalen Verfassungsgesetz über die politischen Rechte von staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften konsequenterweise für eine strikte Trennung von Staat und Religion ausgesprochen.

Obschon es innerhalb der SBU schwierig ist, für die vielfältigen, sehr uneinheitlichen und differenzierten buddhistischen Traditionen eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, gelang es der SBU in den letzten Jahren dennoch ein gemeinsames Verständnis zu wichtigen Themen, wie etwa zu buddhistischen Grundwerten, zur Sterbebegleitung oder zu Ritualen, zu entwickeln.

Im April 2002 konnte schliesslich ein für den Theravada Buddhismus wichtiger Kreis von Nyanatiloka und Nyanaponika über Max Ladner und Kurt Onken bis hin zur Gegenwart geschlossen werden. Im „Haus der Besinnung“ in Dicken gründeten Kurt Onken und Rolf Hafner die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“. Dieser Verein steht nicht nur Einzelpersonen offen, sondern ermöglicht allen theravada-buddhistischen Vereinen und Stiftungen die Kollektivmitgliedschaft.

Wahrnehmung des Theravada Buddhismus in der Öffentlichkeit

Der Theravada Buddhismus verfügt nicht über in breiten Kreisen bekannte Persönlichkeiten wie z.B. den Dalai Lama bei den Tibetern. In den letzten Jahren sind wichtige Vertreter des Theravada Buddhismus in der Schweiz, wie etwa Kurt Onken oder Ayya Khema verstorben und noch ist keine neue Generation von medial präsenten Buddhisten in Sicht. Auch sind zugewanderte Buddhisten sehr gut in der Gesellschaft integriert und sorgen kaum für Aufsehen. Der Theravada Buddhismus wird deshalb in den Medien und generell in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen.

Bezüglich der Sakralbauten ist der Theravada Buddhismus zwar nicht omnipräsent, aber doch sichtbar: In der Industriezone von Gretzenbach steht – zwischen Supermärkten eingepfercht, aber dennoch weithin strahlend – das im thailändischen Baustil errichtete Wat Srinagarindravararam. Auch konnte im Jahr 2010 im Garten des Klosters Dhammapala eine lebensgrosse und gut sichtbare Buddha-Statue eingeweiht werden: "...der erst Blick auf Phra Buddha Vajira Trilokanat Satsada offenbarte ein äusserst gelungenes und inspirierendes Kunstwerk. Dieser in den Sockel [der Buddha-Statue] eingravierte und etwas langatmige Name bedeutet so viel wie: 'der Ehrwürdige Buddha mit diamantener Weisheit, Beschützer der drei Welten' (d.h. die Sinneswelt, die feinkörperliche und unkörperliche Welt). ...[die Buddha-Statue] steht ... mit der Geste der Furchtlosigkeit und schaut all denen entgegen, die sich auf der zum Kloster führenden Bergahorn Allee dem Kloster nähern."[3] Trotz der Schönheit dieser im öffentlichen Raum sichtbaren buddhistischen Symbole, schlummert der Theravada Buddhismus für die breite Öffentlichkeit dennoch weitgehend im Verborgenen.

Mit der Gründung der „Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz“ entstand für die Schweizer Theravada Buddhisten eine Institution, welche die rund 100 jährige Theravada Tradition in der Schweiz institutionell nachhaltig zu verankern versucht. Die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“ vertritt die Lehre Buddhas, wie sie in den ältesten Schriften, dem Palikanon, etwa drei Jahrhunderte nach dem Tod Buddhas niedergeschrieben wurde. Statutarisches Ziel der „Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz“ ist es, die Lehre des Buddha zugänglich zu machen, sie zu studieren und zu praktizieren, Informationsveranstaltungen und Kurse über den Buddhismus zu organisieren, die Anliegen und Interessen des Theravada Buddhismus gegenüber dem Staat und der Gesellschaft zu vertreten, den Kontakt mit anderen buddhistischen Organisationen zu pflegen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“ und ihre Mitglieder unterhalten zu sämtlichen theravadabuddhistischen Institutionen zahlreiche Kontakte: Insbesondere zu den sechs Schweizer Theravada Klöstern in Genf, Péry-Reuchenette, Kandersteg, Gretzenbach, Obfelden und Lenzburg, zu den Theravada-Zentren Dicken, Bern und Beatenberg, zur Sayagyi U Ba Khin Gesellschaft, Mahabodhi Metta Foundation, zu den in Süddeutschland gelegenen Zentren Buddhahaus und Metta Vihara sowie zu einem Dutzend Meditationsgruppen von Genf bis Pontresina. Schliesslich ist die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“ Mitglied der SBU und vertritt gegenüber diesem Dachverband aller buddhistischer Traditionen die Interessen ihrer Mitglieder.

3. Die Einwanderung asiatischer Buddhisten in die Schweiz

Parallel und unabhängig zum wachsenden Schweizer Meditationsinteresse erreichte der Buddhismus die Schweiz auf einem zweiten Weg und fasste v.a. in den 1970er und 1980er Jahren Fuss durch die Migration von Menschen aus Asien nach Europa.

Die erste grössere Gruppe buddhistischer Einwanderer in die Schweiz kam aus einem nicht theravadabuddhistischen Land, aus Tibet. Im Zuge eines durch die Chinesen blutig niedergeschlagenen Volksaufstands der Tibeter flüchteten rund 1000 Tibeter in den frühen 1960er Jahren in die Schweiz. Die Einwanderung der Tibeter wurde von einer breiten Schweizer Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Exil-Tibeter waren in der Schweiz sehr willkommen und zeichneten sich dadurch aus, dass sie die Institutionalisierung ihrer Kultur und Religion rasch voran brachten. Bereits 1968 wurde das „Klösterliche Tibet Institut“ in Rikon erbaut. Gegenwärtig weilen rund 2'500 Tibeter in der Schweiz, die Mehrzahl davon bereits seit der Immigration der 1960er Jahre (rund 500 Tibeter wurden in der Schweiz geboren). Sie bilden die grösste Gemeinschaft von Exil-Tibetern ausserhalb Asiens und leben v.a. in der Ostschweiz.

3.1 Einwanderung aus Burma, Thailand, Laos, Kambodscha und Sri Lanka

Die Migration von Personen aus den theravadabuddhistischen Ländern Burma, Thailand, Laos, Kambodscha und Sri Lanka setzte in bedeutendem Umfang erst ab den 1980er Jahren ein. Sie erfolgte eher schleichend und wurde von der Schweizer Öffentlichkeit weit weniger stark wahrgenommen als die Einwanderung der Tibeter. Die Zahl der zugewanderten Theravada Buddhisten ist jedoch bedeutend und kann auf über 20'000 Personen geschätzt werden (vgl. Kasten "Schätzung der Anzahl Theravada Buddhisten in der Schweiz").

In den 1980er Jahren entstanden verschiedene kulturell-religiöse Organisationen und Kulturzentren, die von zugewanderten Buddhisten zur Pflege ihrer national-kulturellen und religiösen Tradition gegründet wurden.

Schätzung der Anzahl Theravada Buddhisten in der Schweiz

Ende 2009 lebten insgesamt 48 Burmesen, 8619 Thailänder, 276 Laoten, 852 Kambodschaner und 26'478 Sri Lanker in der Schweiz.3 Die Statistik macht bei den Sri Lankern keinen Unterschied zwischen den mehrheitlich buddhistischen Singhalesen und den meist hinduistischen Tamilen. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass lediglich rund 1'000 Singhalesen in der Schweiz wohnhaft sind. Zählt man zu diesen Zahlen noch die Personen, die seit den dem Jahr 1974 das Schweizer Bürgerrecht erworben haben (66 Burmesen, ca. 6'000 Thailänder, ca. 550 Laoten ca. 2000 Kambodschaner und ca. 17'800 Sri Lanker, wovon schätzungsweise ca. 700 Singhalesen)[4] und lässt man die Ab- und Zuwanderung sowie die Geburten ausser Acht, so erhält man eine Schätzung von über 20'000 zugewanderten Theravada Buddhisten in der Schweiz (davon gut 100 Burmesen, 14'600 Thailänder, 800 Laoten, 2'800 Kambodschaner und 1'700 Singhalesen). Die gut 20'000 Personen sind über alle Kantone verteilt in der gesamten Schweiz wohnhaft. Die Thailänderinnen und Thailänder sind in Zürich und Bern stark vertreten, die Sri Lankerinnen und Sri Lanker leben eher in Bern und im Aargau. Während über 80% der verheirateten thailändischen Frauen einen Schweizer Mann geheiratet haben, trifft dies bei weniger als 10% der Sri lankischen Frauen zu (Burma 75%, Kambodscha 46%, Laos 48%).

Zu der Zahl von gut 20'000 zugewanderten Theravada Buddhisten kommen noch die Schweizer Theravada Buddhisten hinzu. Da Schweizer Theravada Buddhisten mehrheitlich nicht als Buddhisten geboren sind, sondern sich später dem Buddhismus zugewandt haben, ist eine klare Abgrenzung dieser Personengruppe schwierig. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass jemand als Buddhistin oder Buddhist bezeichnet werden kann, wenn er oder sie Zuflucht zu Buddha, Dhamma (die Lehre Buddhas) und Sangha (die Gemeinschaft der Mönche und Laien) genommen hat. Zählt man dazu die den Meditationsgruppen sowie Klöstern und Zentren zugewandten Schweizer Theravada Buddhisten, dürfte sich die Zahl der Schweizer Theravada Buddhisten auf rund 500-1'000 Personen belaufen.

Die Schätzung von 20'000 zugewanderten Theravada Buddhisten und 500-1'000 Schweizer Theravada Buddhisten würde die im Rahmen der Eidgenössischen Volkszählung im Jahr 2000 erhobenen Daten[5] deutlich übertreffen. Damals lebten 21'305 Buddhistinnen und Buddhisten sämtlicher buddhistischer Gemeinschaften (0,3 % der Bevölkerung) in der Schweiz, wovon 16.7% in der Schweiz geboren waren und gemäss Schätzungen der Anteil der Theravada Buddhisten ca. 22% betrug, was ca. 4'600 Personen entsprach.

Damit wäre die Zahl der Theravada Buddhisten in den zehn Jahren seit der Volkszählung stark gestiegen. Hingegen sank der Anteil von Schweizer Theravada Buddhisten bis Ende 2009 auf maximal 5%. Vor dem Hintergrund, dass das Interesse von Schweizern am Theravada Buddhismus seit den 1990er Jahre seinen Zenit wohl überschritten hat und deren Zahl nahezu stagniert, gleichzeitig aber die Migration aus Theravada Ländern in die Schweiz ungebrochen anhält, scheinen diese Schätzungen durchaus plausibel.

1983 wurde das kambodschanische Khmer Kulturzentrum in Zürich ins Leben gerufen. Inzwischen hat das von Sinh Tra geleitete Zentrum nach Obfelden bei Zürich gezügelt. Das Zentrum dient den rund 2'800 in der Schweiz lebenden Kambodschanerinnen und Kambodschanern, ihre Sprache, Musik und Literatur zu erhalten und bietet Raum zur Feier religiöser Feste, wie etwa des Vesakh-Fests, das jeweils im Monat Mai stattfindet oder des Kathina-Fests (im Oktober). Im Zentrum leben meistens ein oder zwei Mönche.

Für die in der Westschweiz lebenden Kambodschaner wurde im Jahr 2002 das Wat Swiss Khemraram in Péry-Reuchenette (bei Biel) eingerichtet. Dem Trägerverein steht Hom Phy vor. Im Kloster weilt ein Mönch und ab und an reiste der beliebte kambodschanische Laienlehrer Buth Savong in die Schweiz, um Meditationskurse zu geben. Auch in diesem Kloster werden das Vesakh- und das Kathina-Fest gefeiert.

Die Institutionalisierung der thailändischen Kultur fand ihren Anfang mit der Gründung der Vereinigung Wat Thai im Jahr 1984. "Anfangs in einem Mietshaus untergebracht, konnte im Juni 1996 im Rahmen einer grossen Feierlichkeit, unter Beteiligung der Königlichen Hoheit Prinzessin Galyani Vadhana [1923-2008], das Wat Srinagarindravararam in Gretzenbach, Kanton Solothurn, eingeweiht werden. Das Kloster (Wat) und dessen vier residente Mönche versorgen die ...[knapp 15'000]... in der Schweiz lebenden Thailänderinnen und Thailänder kulturell und religiös. Das Wat Srinagarindravararam bildet gewissermassen ein Auslands-Kloster des Wat Benchamabopitr (Bangkok), von dem die Mönche und der Abt stammen."[6]

Das Kloster wurde durch thailändische Fachkräfte im typischen Thai-Stil gebaut und ist der repräsentativste theravadabuddhistische Sakralbau in der Schweiz. Für viele Thailänder in der Schweiz ist das Wat Srinagarindravararam der zentrale Ort buddhistischer Andacht und das Zentrum zur Bewahrung ihrer Kultur.

Der erste Sri lankische Vihara wurde bereits in den 1970er Jahren in Genf eingerichtet, ein zweiter folgte 2003 in Zürich: Der Zürich Buddhist Vihara wurde mit dem Ziel gegründet, für die aus Sri Lanka stammenden Buddhisten wie auch alle Interessierten in der Schweiz ein religiöses und geistiges Begegnungszentrum zu schaffen. Anfangs waren die Räumlichkeiten des Viharas in Brugg, später in Zürich-Oerlikon und Zürich-Witikon. Im Jahr 2010 konnte die Sri lankische Gemeinschaft eine Liegenschaft in Lenzburg erwerben, wo nun der Vihara dauerhaft eingerichtet ist. Wie bei den Kambodschanern verfügt damit die Sri lankische Diaspora ebenfalls über je ein Zentrum in der West- und in der Deutschschweiz.

Eine Besonderheit des Viharas in Lenzburg ist, dass der Abt, Ajahn Kalyanatissa Walpola, nicht ausschliesslich Aktivitäten für aus Sri Lanka stammende Buddhisten anbietet, sondern explizit auch die aus der Schweiz stammenden Buddhisten ansprechen will. So besucht etwa Bhante Anuruddha Thero Karuwelagaswewa, einer der beiden Mönche des Viharas, regelmässig Meditationsgruppen und hält dort Dahmmavorträge. Im Zürich Buddhist Vihara wird neben der buddhistischen Philosophie auch die Meditation unterrichtet. Der Vihara unterhält zudem eine Dhamma-Schule für Kinder.

Kulturzentren für die zahlenmässig schwach vertretenen Burmesen (ca. 100) und Laoten (ca. 800) wurden bis anhin in der Schweiz noch keine eingerichtet.

3.2 Zusammenleben von Schweizer und zugewanderten Buddhisten

Schweizer Theravada Buddhisten und zugewanderte Buddhisten haben bezüglich der Pflege ihrer Religion unterschiedliche Bedürfnisse. Schweizer Buddhisten sehen in der Praxis des Buddhismus vorwiegend eine neue Lebensorientierung. Sie widmen sich oft sehr stark der formalen Meditation und schliessen sich einer der zahlreichen Meditationsgruppen, dem Kloster Dhammapala oder der "Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz" an. Die zugewanderten Buddhisten hingegen stehen in einer dynamischen Beziehung mit ihrer angestammten kulturell-religiösen Organisation. Für sie steht die Pflege ihrer Kultur und Tradition im Vordergrund. Oft praktizieren sie auch Rituale, die mehr einem kulturellen, denn einem streng buddhistischen Hintergrund entspringen.

Jedoch gibt es auch zunehmend Verbindungen zwischen Schweizer Buddhisten und zugewanderten Buddhisten. Einerseits durch eine wachsende Zahl binationaler Ehen: Am stärksten zeigt sich dies bei den Thailänderinnen, von welchen über 80% der verheirateten Frauen mit einem Schweizer Mann verheiratet sind (vgl. Kasten "Schätzung der Anzahl Theravada Buddhisten in der Schweiz"). Anderseits stehen einzelne buddhistische Institutionen mit beiden Gruppierungen in Kontakt: Das Kloster Dhammapala, wo sowohl der einstige Abt, Ajahn Tiradammo, als auch der gegenwärtige Abt, Ajahn Khemasiri, fliessend Thailändisch sprechen, nimmt sowohl die spirituelle Führung der in der Schweiz lebenden Thailänder wahr, als auch die Unterweisung von an Meditation interessierten westlichen Buddhisten. Ebenso halten die Mönche des Viharas in Lenzburg regelmässig Dhammavorträge in den Meditationsgruppen, in welchen vorwiegend Schweizer Buddhisten meditieren. Diese Aktivitäten des Klosters Dhammapala und des Viharas in Lenzburg bringen die beiden Gruppen von Theravada Buddhisten zusammen und sind deshalb besonders erwähnenswert.

4. Schlussfolgerungen und Ausblick

Betrachtet man die 100 Jahre Geschichte des Theravada Buddhismus in der Schweiz, lassen sich mit Bezug auf die aktuelle Situation vier wichtige Merkmale herausschälen:

· Insgesamt ist die Institutionalisierung des Theravada Buddhismus in den letzen Jahren deutlich weiter fortgeschritten.
· Die buddhistischen Institutionen sind nachhaltig verankert.
· Schweizer Theravada Buddhisten und zugewanderte Buddhisten haben wenig Kontakt und Austausch untereinander.
· Die Wahrnehmung des Theravada Buddhismus in den Medien und generell in der Öffentlichkeit ist gering.

Betrachtet man sämtliche buddhistischen Gruppierungen in der Schweiz, so kommen noch zwei weitere Merkmale hinzu:
· Grosse Vielfalt der buddhistischen Gemeinschaften, sehr uneinheitlich/differenziert.
· Die einzelnen buddhistischen Traditionen pflegen wenig Kontakt und Austausch untereinander.

Vor allem bei zwei Themen, dem spärlichen Kontakt und Austausch zwischen Schweizer Buddhisten und zugewanderten Buddhisten und der geringen Wahrnehmung des Theravada Buddhismus in den Medien und generell in der Öffentlichkeit, besteht auf der Ebene der "Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz" weiterer Handlungsbedarf.

Es wäre wünschenswert die bestehenden Aktivitäten, welche Schweizer Theravada Buddhisten und zugewanderte Buddhisten näher zusammen bringen, weiterhin zu unterstützen sowie neue Initiativen in diese Richtung zu initiieren. Um die Präsenz des Theravada Buddhismus in den Medien zu verstärken, können u.A. buddhistische Persönlichkeiten förderlich sein, welche von einer breiten Öffentlichkeit wahr-genommen werden (wie etwa der Dalai Lama der Tibeter). Auch wäre eine systematische Berichterstattung über theravadabuddhistische Anlässe sowie die Kommunikation buddhistischer Stellungnahmen zu aktuellen Themen wünschenswert.

Um die Institutionalisierung des Theravada Buddhismus und die nachhaltige Verankerung der Institutionen zu verbreitern, ist zudem die Weiterführung der langfristig angelegten Unterstützung der theravadabuddhistischen Strukturen, Institutionen und Personen weiterhin wichtig.

Auf der Ebene der "Schweizerischen Buddhistischen Union" (SBU) wäre in erster Linie das Herausarbeiten und Pflegen einer weiterführenden gesamtbuddhistischen Perspektive zu begrüssen.

Ein sehr lobenswerter Ansatz dazu ist die Organisation und Durchführung eines gesamtschweizerischen Vesakh-Fests für alle buddhistischen Traditionen. Eine weitere Möglichkeit um eine gesamtbuddhistische Klammer zu setzen, wäre die Herausgabe einer buddhistischen Schweizer Zeitschrift. Eine solche Zeitschrift in moderner Form wäre ein hervorragendes Mittel, das Gemeinsame stärker zu betonen und böte den einzelnen buddhistischen Traditionen eine ausgezeichnete Plattform zur Kommunikation gegenüber einer breiten Öffentlichkeit. Die Institutionen aller buddhistischer Traditionen und insbesondere die zugewanderten Buddhisten müssten unbedingt in die Redaktion einer solchen Zeitschrift eingebunden werden.

Die hier vorgeschlagenen Aktivitäten entsprechen durchwegs dem Inhalt der statutarischen Zweckartikel der „Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz“ und der SBU. Alle jene Personen, welche die Möglichkeit haben, etwas zu den knappen finanziellen und personellen Ressourcen der „Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz“ und der SBU beizutragen, möchte ich ermuntern, die beiden Organisationen bei ihren Bemühungen einer nachhaltigen Stärkung und Verankerung des Buddhismus in der Schweiz zu unterstützen.

5. Literatur

- Martin Baumann, "Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz", in: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, 82, 4, 1998, S. 255-280.
- Kerstin-Katja Sindemann, "Mönche, Mantra, Meditation: Buddhismus in der Schweiz", in: Martin Baumann, Jörg Stolz (Hg.), Eine Schweiz - viele Religionen. Risiken und Chancen des Zusammenlebens, Bielefeld: transcript Verlag 2007, S. 208-222.
- Frank-André Weigelt, "Dokumentation: Buddhismus in der Schweiz. Eine Kurzdarstellung", in: Schweizerische Kirchenzeitung, 45, 2009, S. 774-778.
- Claude Bovay, "Eidgenössische Volkszählung 2000, Religionslandschaft der Schweiz", Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 2004.
- www.theravada.ch
- www.sbu.net
- www.religionenschweiz.ch/buddhismus.html Patrick Läderach, 2011

 

Anmerkungen
[1] Martin Baumann, "Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz", in: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, 82, 4, 1998, S. 255-280
[2] Vgl. dazu die Adressliste auf www.theravada.ch
[3] Dhammapala Rundbrief 2011, S. 1-2
[4] Quelle: Bundesamt für Migration, BFM 2010
[5] Eidgenössische Volkszählung 2000, Religionslandschaft der Schweiz, Claude Bovay, Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 2004
[6] Martin Baumann, "Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz", in: Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, 82, 4, 1998, S. 255-280