Buddhistische Gemeinschaft Schweiz

 



Die Asche des Buddha



(Pâli-Quelle: D 16, 6, 7 folgende, aus Franke, Otto: Dîghanikâya. Das Buch der Langen Texte des Buddhistischen Kanons, Göttingen 1913, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Seite 244-255)              

7./ „Dann sprach der Erhabene noch zu den Bhikkhus: "Wohlan, Bhikkhus, (höret) jetzt, (was) ich euch (noch) zu sagen habe: Die Seinserscheinungen sind ihrem Wesen nach vergänglich. Rüstet euch aus mit Wachsamkeit!" das war des Tathagata letztes Wort.

(Der Pâlitext lautet: Handa dâni bhikkhave âmantayâmi vo: „Vayadhammâ sam.khârâ, appamâdena sampâdethâti.“)

8./ Der Erhabene gelangte zur ersten Stufe der ekstatischen Versenkung, von dieser dann zur zweiten, von der zweiten zur dritten, von der dritten zur vierten. Von der vierten stieg er auf zum Zustande, der besteht in der Raumunendlichkeit, von diesem zu dem Zustande, der besteht in der Wahrnehmungsunendlichkeit, von diesem zu dem Zustande, der besteht in des Nichtvorhandenseins von irgendetwas, von diesem zu dem Zustande von Weder-Bewußtheit-noch-Nichtbewußtheit, von diesem zum Aufhören von Bewusstsein und Gefühl. Da sprach der ehrwürdige Ânanda zum ehrwürdigen Anuruddha: "Anuruddha, der Erhabene hat das Parinibbâna erreicht". "Nein, Freund Ânanda, der Erhabene hat das Parinibbâna noch nicht erreicht. Er ist nur zum Aufhören von Bewusstsein und Gefühl aufgestiegen".              

9./ Der Erhabene stieg dann von der schon erreichten Höhe des Aufhörens von Bewusstsein und Gefühl wieder hinab zum Zustande von Weder-Bewußtheit-noch-Nichtbewusstheit, von diesem zu dem Zustande, der besteht in des Nichtvorhandenseins von irgendetwas, von diesem zu dem Zustande, der besteht in der Wahrnehmungsunendlichkeit, von diesem zu dem Zustande, der besteht in der Raumunendlichkeit, von diesem zur vierten Stufe der ekstatischen Versenkung, von dieser zur dritten, von dieser zur zweiten, von dieser zur ersten. Von dieser stieg er dann wieder auf zur zweiten, von dieser zur dritten, von dieser zur vierten. Unmittelbar von da aus erreichte der Erhabene dann das Parinibbâna.              

10./ Als der Erhabene verschied, im selben Augenblick erbebte die Erde mit so schrecklicher Gewalt, dass ein Schauder die Menschen überlief, und vom Himmel krachte der Donner.      

 

Im Augenblick als der Erhabene verschied, sprach Brahmâ Sahampati diese Strophe:

"Es werfen ab die Leiblichkeit
die Wesen alle mit der Zeit,
wie´s dieser Meister, Buddha, tat,
der nirgends seinesgleichen hat,
Tathagata, an Kräften groß,
der einging in Nibbâna´s Schoß."  

 

Und der Götter-König Sakka sprach in demselben Augenblicke die Strophe:

"Was nur Erscheinung ist (in Pâli: sam.khârâ), vergeht,
es schwindet hin, wie es entsteht,
und kaum entstanden, hat´s ein End,
des Schein-Seins Ende Glück man nennt."

 

Der ehrwürdige Anuruddha sprach in diesem Augenblick folgende Strophen:

"Es fand kein Atemzug mehr statt
des geistes-steten Arahat,
als wunschbefreit der Weise starb,
der das Nibbâna sich erwarb.

An nichts mehr haftete sein Herz,
er trug gefasst den Todesschmerz,
sein Geist war frei von jedem Band,
wie auslischt eines Lichtes Brand."

 

Der ehrwürdige Ânanda sprach in diesem Augenblicke folgende Strophen:

"Ein Schauer überlief uns da,
denn (manches) Schreckliche geschah,
als Buddha dieses Sein verließ,
der alles Edlen Träger hieß."

 

Als der Erhabene verschieden war, da weinten von den Bhikkhus, die von Leidenschaften noch nicht frei waren, manche laut, indem sie die Arme ausstreckten, stürzten jäh zur Erde nieder, wälzten sich hin und her und klagten: "Zu früh hat der Erhabene, der Pfadvollender, das Zeitliche gesegnet, zu früh ist das Auge der Welt erloschen".

Die aber, die schon von Leidenschaft frei waren, nahmen alles besonnen und mit klar urteilendem Geiste hin, weil sie sich sagten: "Vergänglich ist alles Erscheinende, wie wäre es anders wohl möglich?"              

11./ Da sprach der ehrwürdige Anuruddha zu den Bhikkhus: "Laßt gut sein, Freunde! Grämt euch nicht und jammert nicht! Hat es euch der Erhabene nicht von vornherein gesagt, dass wir von allem Lieben und Angenehmen uns einmal trennen und Abschied nehmen müssen, dass es damit nicht ewig so bleiben kann?

Wie wäre es wohl möglich, dass das, was entstanden, geworden, bloße Erscheinung und seinem Wesen nach dem Zerfall geweiht ist, nicht zerfiele? Das ist ein Unding. Freunde, die Gottheiten sind ungehalten".

"Welcher Art, Herr, sind denn die Gottheiten, denen der ehrwürdige Anuruddha seine Aufmerksamkeit schenkt?"

"Freund Ânanda, es gibt Gottheiten des Äthers, aber mit irdischem Bewusstsein, die mit aufgelösten Haaren und die Arme von sich streckend laut weinen, jäh niederstürzen und sich hin- und her wälzen im Schmerz darüber, dass zu früh schon der Erhabene, der Pfadvollender, das Zeitliche gesegnet hat und das Auge der Welt erloschen ist.

Es gibt, Freund Ânanda, auch Gottheiten der Erde mit irdischem Bewusstsein, die mit aufgelösten Haaren und die Arme von sich streckend laut weinen, jäh niederstürzen und sich hin- und her wälzen im Schmerz darüber, dass zu früh schon der Erhabene, der Pfadvollender, das Zeitliche gesegnet hat und das Auge der Welt erloschen ist. 

Die Gottheiten aber, die von Leidenschaften frei sind, nehmen das Geschehene besonnen und mit klar urteilendem Geiste ruhig hin, weil sie sich sagen "Vergänglich ist alles Erscheinende, wie wäre es anders wohl möglich?"

12./ „Darauf verbrachten der ehrwürdige Anuruddha und der ehrwürdige Ânanda den Rest der Nacht im Gespräch über die Lehre. Darauf sprach der ehrwürdige Anuruddha zum ehrwürdige Ânanda: „Freund Ânanda, geh nach Kusinârâ hinein und bestelle den Malla von Kusinârâ: „Vâset.t.has, der Erhabene ist nicht mehr. Bestimmt jetzt, was ihr für angemessen haltet!“

„Ja, Herr“, erwiderte der ehrwürdige Ânanda folgsam dem ehrwürdigen Anuruddha, nahm, nachdem der in der Frühe schon das Hüftenkleid angelegt hatte, nunmehr Almosenschale und Obergewand und ging, noch von einem Bhikkhu begleitet, nach Kusinârâ hinein. Die Malla von Kusinârâ waren (zur Beratung) eben dieser Angelegenheit gerade im Rathause versammelt. Da kam der ehrwürdige Ânanda dorthin und richtete den Malla von Kusinârâ seinen Auftrag aus. Bei dieser Meldung des ehrwürdigen Ânanda wurden die Malla, ihre Kinder, Schwiegertöchter und Frauen von Kummer, Trauer und Herzleid ergriffen, und manche weinten mit aufgelösten Haaren und vorgestreckten Armen, stürzten jäh nieder und wälzten sich hin und her im Schmerz darüber, daß der Erhabene, der Pfadvollender all zu früh geschieden und das Auge der Welt all zu früh erloschen sei.              

13./ Darauf befahlen die Malla von Kusinârâ ihren Leuten: „So holt denn die Wohlgerüche und Blumen und alle Musik Kusinârâs zusammen!“

Darauf zogen die Malla von Kusinârâ mit den Wohlgerüchen und Blumen, mit der ganzen Musik und mit fünfhundert Doppel-Hüllen zu der Stelle im Erholungspark, in Sâla-Walde der Malla, wo der Leichnam des Erhabenen lag, und sie ehrten den Leichnam des Erhabenen mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen. Sie spannten ihre Gewänder als Schutzdach aus, stellten runde Zelte her und verbrachten unter ihnen den Tag. Am Ende dachten sie: „Nun ist es viel zu spät, den Leichnam des Erhabenen noch zu verbrennen. Wir wollen ihn erst morgen verbrennen.“

(Am nächsten Tage) ehrten sie dann wieder den Leichnam des Erhabenen mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen. Sie spannten ihre Gewänder als Schutzdach aus, stellten runde Zelte her und verbrachten unter ihnen den zweiten Tag, ebenso dann den dritten, vierten, fünften und sechsten Tag.              

14./ Am siebenten Tage aber dachten sie: „Wir wollen den Leichnam des Erhabenen mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen ehren, ihn auf der nach Süden führenden Straße an einer Stelle außerhalb und südlich der Stadt bringen und dort verbrennen.

Acht von den Vornehmsten unter den Malla, die sich (eigens) den Kopf gewaschen und ganz neue Kleider angelegt hatten, wollten dann den Leichnam des Erhabenen forttragen, aber sie waren nicht imstande ihn aufzuheben. 

Da fragten die Malla von Kusinârâ den ehrwürdigen Anuruddha: „Herr, was ist der Grund, und woran liegt es denn, daß diese acht vornehmen Malla, die sich (eigens) den Kopf gewaschen und ganz neue Kleider angelegt hatten, den Leichnam des Erhabenen, den sie fortzutragen beabsichtigen, nicht aufzuheben vermögen?“ „Vâset.t.has, euer Plan ist ein anderer als der der Götter.“  

15./ „Herr wie ist denn der Plan der Götter?“ 

„Vâset.t.has, euer Plan ist der: „Wir wollen den Leichnam des Erhabenen mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen ehren, ihn auf der nach Süden führenden Straße an eine Stelle außerhalb und südlich der Stadt bringen und dort verbrennen. Acht von den Vornehmsten unter den Malla, die sich (eigens) den Kopf gewaschen und ganz neue Kleider angelegt hatten, wollten dann den Leichnam des Erhabenen forttragen.“

Der Plan der Götter aber: „Wir wollen den Leichnam des Erhabenen mit himmlischen Tänzen und Gesängen, mit himmlischer Instrumentalmusik und mit himmlischen Blumen und Wohlgerüchen ehren, ihn auf der nach Norden führenden Straße erst an eine Stelle im Norden der Stadt, dann durch das Nordtor in die Stadt, auf der zum Zentrum führenden Straße in das Zentrum der Stadt, dann durch das Osttor wieder hinausbringen und östlich von der Stadt bei den Heiligtume der Malla, das Makut.a-bandhanam. heißt, verbrennen.""

„Herr, es soll dem Plane der Götter entsprechend geschehen.“              

16./ Kusinârâ war in diesem Augenblicke knietief von Mandârava-Blüten überschüttet, selbst die Kompost-, Schmutz- und Kehrichthaufen. Da ehrten zu gleicher Zeit die Götter und die Malla von Kusinârâ den Leichnam des Erhabenen mit himmlischen und menschlichen Tänzen und Gesängen, mit Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen und trugen ihn auf der nach Norden führenden Straße an einen Ort im Norden der Stadt, dann durch das Nordtor in die Stadt, auf der zum Zentrum führenden Straße bis zum Mittelpunkt der Stadt, dann durch das Osttor wieder hinaus und bis zum Heiligtume der Malla östlich von der Stadt, das Makut.a-bandhanam. heißt, und legten dort den Leichnam des Erhabenen nieder.              

17./ Da fragten die Malla von Kusinârâ, den ehrwürdigen Ânanda: „Herr Ânanda, wie sollen wir mit dem Leichnam des Tathâgata verfahren?“

„Vâset.t.has, mit dem Leichnam des Tathâgata ist geradeso zu verfahren, wie mit dem Leichnam eines Cakkavattî-Herrschers.“

„Herr Ânanda, wie verfährt man denn mit dem Leichnam eines solchen?“

„Vâset.t.has, den Leichnam eines Cakkavattî-Herrschers hüllt man zunächst in ein neues Stück Leinen, dann in gekrempelte Baumwolle, dann wieder in neues Leinen (und so fort in abwechselnder Reihenfolge). Nachdem man auf diese Weise den Leichnam des Cakkavattî fünfhundert Mal in solche Doppel-Hülle eingewickelt hat, legt man ihn in einen metallenen Trog mit Öl und deckt diesen mit einem darüber gestülpten anderen metallenen Troge zu, schichtet aus allen wohlriechenden Stoffen, die es gibt, einen Scheiterhaufen und verbrennt darauf den Leichnam des Cakkavattî. Danach errichtet man dem Cakkavattî auf einem Platze, auf den vier Straßen münden, einen Thûpa.              

18./ Da befahlen die Malla von Kusinârâ ihren Leuten: „So holt denn alle gekrempelte Baumwolle der Malla zusammen!“ Dann hüllten sie der Leichnam des Erhabenen zunächst in ein neues Stück Leinen, dann in gekrempelte Baumwolle, dann wieder in neues Leinen (und so fort in abwechselnder Reihenfolge), und nachdem sie auf diese Weise den Leichnam des Erhabenen fünfhundert Mal in solche Doppel-Hülle eingewickelt hatten, legten Sie ihn in einen metallenen Trog mit Öl und deckten diesen mit einem darüber gestülpten anderen metallenen Troge zu, schichteten aus allen wohlriechenden Stoffen, die es gibt, einen Scheiterhaufen und legten den Leichnam des Erhabenen darauf.  

19./ Unterdessen befand sich der ehrwürdige Mahâ-Kassapa mit einer großen Bhikkhu-Schar - es waren fünfhundert Bhikkhus - auf der Wanderung von Pâvâ nach Kusinârâ. Er bog ab vom Wege und setzte sich unter einem Baum. Zu derselben Zeit wanderte ein Âjîvaka von Kusinârâ, von wo er eine Mandârava-Blüte mitgenommen hatte, nach Pâvâ. Der ehrwürdige Mahâ-Kassapa sah den Âjîvaka von weitem kommen, und er fragte ihn: „Freund, kennst du unseren Meister?“ „Ja, Freund, ich kenne ihn. Heute vor acht Tagen hat der Asket Gotama das Zeitliche gesegnet. Daher habe ich diese Mandârava-Blüte.“ 

Da geschah es, daß von den Bhikkhus, die von Leidenschaft noch nicht frei waren, manche die Arme von sich streckend laut weinten, jäh zu Boden stürzten und sich hin- und her wälzten im Schmerz darüber, daß der Erhabene, der Pfadvollender zu früh geschieden und das Auge der Welt zu früh erloschen sei.

Die Bhikkhus aber, die von Leidenschaft frei waren, nahmen die Tatsache besonnen und mit klar urteilendem Geiste hin, indem sie sich sagten: „Vergänglich ist alles Erscheinende, wie wäre es anders wohl möglich?“              

20./ Es saß nun gerade ein gewisser Subhadda, der erst im Alter der Welt entsagt hatte, mit unter dieser (Bhikkhu-Schar des Mahâ-Kassapa). Der sprach zu den Bhikkhu´s: Laßt gut sein, Freunde, grämt euch nicht, jammert nicht! Es ist ein Glück, daß wir den großen Saman.a los sind. Er machte sich uns doch recht lästig mit seinem (ewigen): „Das ist euch erlaubt, das ist euch nicht erlaubt“. Jetzt können wir tun, was wir wollen, und brauchen nicht mehr zu tun, wozu wir keine Lust haben.“ 

Da sprach aber der ehrwürdige Mahâ-Kassapa zu den Bhikkhus: „Laßt gut sein, Freunde, grämt euch nicht, jammert nicht! Der Erhabene hat es euch ja von vornherein gesagt, daß wir von allem Lieben und Angenehmen uns einmal trennen und Abschied nehmen müssen, daß es damit nicht ewig so bleiben kann. Wie wäre es wohl möglich, daß das, was entstanden, geworden, bloße Erscheinung und seinem Wesen nach dem Zerfall geweiht ist, nicht zerfiele? Das ist ein Unding.“              

21./ Um dieselbe Zeit wollten vier vornehme Malla, die sich (eigens) den Kopf gewaschen und ganz neue Kleidung angezogen hatten, den Scheiterhaufen des Erhabenen anzünden, bekamen ihn aber nicht in Brand.

Da fragten die Malla von Kusinârâ den ehrwürdigen Anuruddha: „Herr Anuruddha, was ist der Grund, und woran liegt es denn, daß diese vier vornehmen Malla, die sich (eigens) den Kopf gewaschen und ganz neue Kleidung angezogen haben, den Scheiterhaufen des erhabenen, den sie anzünden möchten, nicht in Brand bekommen?“ 

„Vâset.t.has, Die Götter haben einen anderen Plan.“ „Herr, wie ist denn der Plan der Götter?“  

„Vâset.t.has, der Plan der Götter ist der: „Der ehrwürdige Mahâ-Kassapa befindet sich mit einer großen Bhikkhu-Schar - es sind fünfhundert Bhikkhus - noch auf der Wanderung von Pâvâ nach Kusinârâ. Der Scheiterhaufen des Erhabenen soll nicht eher in Brand kommen, als bis der ehrwürdige Mahâ-Kassapa sein Haupt zu den Füßen des Erhabenen geneigt hat!“  

„Herr, der Götter Wille geschehe!“               

22./ Da gelangte der ehrwürdige Mahâ-Kassapa beim Scheiterhaufen des Erhabenen am Kusinârâ-Makut.a-bandhanam. genannten Heiligtum der Malla an, und er nahm sein Obergewand über seine (linke) Schulter und ging, seine gefalteten Hände vorstreckend, dreimal nach rechts um den Scheiterhaufen herum, öffnete die Umhüllungen des Leichnams am Fussende und neigte sein Haupt zu den Füssen des Erhabenen. Auch (seine) fünfhundert Bhikkhus taten alles genau so wie er. 

Und als der ehrwürdige Mahâ-Kassapa und die fünfhundert Bhikkhus dem Leichnam ihre Reverenz erwiesen hatten, flammte der Scheiterhaufen des Erhabenen von selber auf.   

23./ Vom verbrannten Leichnam des Erhabenen aber war kein Asche- oder Kohlenrest dessen, was ehedem „äußere“ oder „innerer Haut“, „Fleisch“, „Sehnen“ und „flüssige Bestandteile“ hieß, mehr zu spüren, nur Knochenreste blieben übrig. Wie von verbrannter Butter oder verbranntem Öle weder Asche noch Kohle mehr zu spüren ist, ebenso war von dem verbrannten Leichnam des Erhabenen weder Asche- noch Kohlenrest dessen wahrzunehmen, was ehedem „äußere“ oder „innerer Haut“, „Fleisch“, „Sehnen“ und „flüssige Bestandteile“ hieß, nur Knochenreste blieben übrig. Von den fünfhundert Doppelhüllen verbrannten aber nur zwei, die innerste und die äußerste. 

Als der Leichnam des Erhabenen verbrannt war, kam aus der Luft ein Wasserstrahl und löschte des Erhabenen Scheiterhaufen aus; auch von einem Wasser-Sâla-Baume her erhob sich einer und löschte den Scheiterhaufen aus. Auch die Malla von Kusinârâ halfen mit allen möglichen wohlriechenden Wassern ihn auslöschen.

Darauf richteten die Malla von Kusinârâ um die Knochenreliquien des Erhabenen ein Gitter aus Speeren und einen Wall aus Bögen auf und ehrten und umgaben sie sieben Tage lang mit Tänzen, Gesängen, Instrumentalmusik, Blumen und Wohlgerüchen.“ 

24./ „Der König von Magadha Ajâtasattu Vedehiputta hörte, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickte er einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und ich bin es auch. Auch ich kann (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch ich werde darüber einen Thûpa errichten und ein Fest für sie feiern.“

Auch die Licchavi von Vesâlî hörten, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und wir sind es auch. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“

Auch die Sakya von Kapilavatthu hörten, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war der Bedeutendste von unseren Verwandten. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“ 

Auch die Buli von Allakappa hörten, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und wir sind es auch. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“

Auch die Koliya von Râmagâma hörten, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und wir sind es auch. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“

Auch ein Brahmane von Vet.hadîpa hörte, daß der Erhaben in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) er einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und ich bin ein Brahmane. Auch ich kann (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch ich werde einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“ 

Auch die Malla von Pâvâ hörten, daß der Erhaben in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und wir sind es auch. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“              

25./ All diese Bestellungen beantworteten die Malla von Kusinârâ durch folgende Erklärung an die (versammelten) verschiedenen Gruppen von Leuten: „In unserer Feldmark ist der Erhabenen verschieden. Wir werden also von den Körper-Reliquien des Erhabenen keine abgeben.“

Aber der Brahmane Don.a sprach zu den Versammelten: „Verehrte, hört, und laßt ein Wort mich sagen! Der Buddha lehrte uns: „Lernt euch vertragen“. Wir müßten uns vor diesem Hohen schämen, wenn um die Knochen wir ins Streiten kämen. Im Frieden wollen wir teilen, ihr Verehrten, die Reste achtfach (da sie Acht begehrten). Allüberall soll Glaube sich entzünden an Thûpas, die den Ruhm des Sehers künden.“

„Dann teile Du selbst, Brahmane, des Erhabenen Knochen-Reliquien in acht genau gleiche Teile!“

„Ja“, antwortete zustimmend der Brahmane Don.a den Versammelten, vollführte die Teilung in acht ganz gleiche Teile und sprach dann zu den Versammelten: „Diesen Topf (in dem die Reliquien sich befinden) wollet, Verehrte, mir bewilligen; auch ich will eine Thûpa darüber errichten und ein Fest für ihn feiern.“ Und sie bewilligten dem Brahmanen Don.a den Topf.              

26./ Auch die Moriy von Pipphalivana hörten, daß der Erhabene in Kusinârâ verschieden sei. Da schickten (auch) sie (noch) einen Boten zu den Malla von Kusinârâ (und ließ ihnen sagen): „Der Erhabene war vom Adel, und wir sind es auch. Auch wir können (also) von den Knochenreliquien des Erhabenen einen Teil beanspruchen; auch wir wollen einen Thûpa darüber errichten und ein Fest für sie feiern.“ 

„Von den Reliquien des Erhabenen ist nichts übrig, sie sind alle schon verteilt. Aber die Asche (vom Scheiterhaufen) könnt ihr bekommen.“ Da nahmen sie die Asche.  

27.1/ Der König von Magadha Ajâtasattu Vedehiputta erbaute dann in Râjagaha einen Thûpa über seinen Knochenreliquien des Erhabenen und feierte ein Fest für sie, ebenso

27.2/ die Licchavi von Vesâlî in Vesâlî,

27.3/ die Sakya von Kapilavatthu in Kapilavatthu,

27.4/ die Buli von Allakappa in Allakappa,

27.5/ die Koliya von Râmagâma in Râmagâma,

27.6/ der Brahmane aus Vet.hadîpa in Vet.hadîpa,

27.7/ die Malla von Pâvâ in Pâvâ,

27.8/ die Malla von Kusinârâ in Kusinârâ,

27.9/ und der Brahmane Don.a erbaute einen Thûpa über dem (Reliquien-)Topf und feierte für ihm ein Fest,

27.10/ die Moriy von Pipphalivana erbaute einen Thûpa über der Asche und feierte dafür ein Fest.

So gab es also acht Thûpas über Knochenreliquien von ihm, und einen neunten über dem (Reliquien-)Topf und einen zehnten über der Asche. So also hat sich das ehemals zugetragen.“  

28./Acht Metzen Knochen von dem Seher blieben: In Jambudîpa selbst verehrt man sieben, für eine Metze 1) wird ein Fest begangen von Râmagâmas Königen der Schlangen. Die Götter selbst auch einen Zahn bewahren, und einen hegt die Hauptstadt der Gandhâren 2).

Auch in Kâlin.gas und der Nâga Landen je einer von den Zähnen ist vorhanden. Glänzt die Welt dank diesen Körperresten, weil man sie ehrt mit reinen Opferfesten. Man ehrt sie reich mit immer neuen Ehren, die Reste des Erschauers (hoher Lehren). Dem Buddha Könige von allen Dreien - Von Göttern, Nâgas, Menschen - Ehre weihen. Die Hände faltend bringt ihm Ovationen! Ein Buddha kommt nicht wieder in Aeonen 3). 

Ende des Mahâ-Parinibbânasutta.

1) Metze = preussisches Hohlmass (= 3,435 L)
2) das heutige Kandahar
3) wörtlich: „Ein Buddha ist schwer zu erlangen in Hunderten von Weltperioden.“

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